Ebersteinburg. Am 4. September 2010 machte sich der Baden-Badener Daniel Koßmann (21) auf die große Reise: Mit der Organisation "VIA e.V." hatte der ehemalige Schüler der Josef-Durler-Schule Rastatt sein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) in Kenia geplant. "Ich wollte nicht gleich nach dem Abitur studieren, sondern erst einmal Lebenserfahrung sammeln, und zwar im Ausland", erklärt Koßmann seine Motivation. "Ich wollte Abstand zu Deutschland, um mein Wertesystem zu relativieren und mir Gedanken machen zu können, wie mein weiterer Lebensweg aussehen soll".
In seiner Entscheidung bestärkt habe ihn nicht zuletzt auch der Sozial- und Dritte-Welt-Tag an der Josef-Durler-Schule, der regelmäßig am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien organisiert wird, um die Jugendlichen für ehrenamtliches Engagement zu begeistern.
Das Kinderheim "Mama Ngina Children?s Home" in Nairobi sollte für ein Jahr sein Zuhause werden. "Ich habe vor allem auf der Babystation gearbeitet, wo rund 20 Kinder bis zu drei Jahren betreut werden", erzählt der Ebersteinburger. Betten abziehen, putzen, Geschirr spülen, Kinder füttern, kochen und Wäsche zusammenlegen bestimmten seinen Tagesablauf. Besonders viel Herzblut steckte Daniel Koßmann in seine beiden Ferienprojekte. "In den Winterferien, als auch die älteren Kinder von den Internaten zurück waren, um Weihnachten und Neujahr im Heim zu verbringen, habe ich viele Gruppenspiele angeboten", erklärt der Freiwilligendienstler. Da gab es zum Austoben jede Menge sportliche Wettkämpfe, aber auch Gesprächsaustausch zu politischen Themen.
Im April und Mai stand dann die Renovierung des Kinderspielplatzes auf dem Programm, die auch vom Kindergarten und der Grundschule in Ebersteinburg unterstützt wurde. "Die haben auf dem Weihnachtsmarkt viele Artikel für uns verkauft und dem Kinderheim rund 1000 Euro gespendet", lobt Koßmann das Engagement. Entstanden war die Idee aufgrund eines Kindergartenprojektes, das die Lebenssituation von Kindern in Afrika beleuchtete.
Mit der Verständigung hatte der angehende Student keine Probleme, hatte er doch bereits zuhause damit angefangen, Kiswahili zu lernen. "Aber ich habe erfahren, wie es ist, anders zu sein ? in diesem Falle weiß", sagt Koßmann enttäuscht. "Als Mzungu (Weißer) wird einem immer mehr Geld als den Einheimischen abgeknöpft, selbst wenn man die Landessprache spricht." Dennoch hat Daniel Koßmann seine Entscheidung für das FSJ nie bereut. "Es war kein egoistischer Trip, sondern ich konnte etwas geben", zieht er sein Fazit und bedauert gleichzeitig, dass es kein "Austausch auf Augenhöhe" gewesen sei. Zwar gehe man mit "weltwärts" hinaus in die Welt, aber es komme niemand zurück. Dies müsse sich ändern, und so will Koßmann sich auch schon während seines Studiums "Philosophie ? Künste ? Medien" an der Universität Hildesheim interkulturell engagieren.